Rücktrittsforderung nach Debakel um Corona-Tests

Die Bayerische Regierung hat sich mit ihrer Corona-Testoffensive offenbar übernommen. Nachdem Ministerpräsident Markus Söder Ende Juli neue Testzentren für Urlaubsrückkehrer angekündigt hatte, wurde nun ein massives Versagen bei der Übermittlung der Testergebnisse aus diesen Zentren bekannt. Die Folgen könnten weitreichend sein.


Bayerns Ministerpräsident Söder erzielte zuletzt mit seinem harten Corona-Kurs traumhafte Umfragewerte, doch folgt seinem Höhenflug jetzt der Absturz? Mit der gestern bekannt gewordenen Corona-Test-Panne handelte sich die Regierung zumindest scharfe Kritik ein. Besonders Gesundheitsministerin Melanie Huml und Markus Söder stehen unter Druck.

Hunderte Infizierte noch nicht benachrichtigt

Dabei klang es gar nicht so schlecht, was Söder Ende Juli auf einer Pressekonferenz verkündete. Der Ministerpräsident präsentierte eine neue Maßnahme, welche die schwierige Debatte um die Einführung einer Testpflicht für Urlaubsrückkehrer umgehen sollte: Fünf neue Testzentren an Bahnhöfen und Autoraststätten, in denen sich Reisende freiwillig testen lassen könnten. Die Beteiligten waren mit der Umsetzung dieser Idee anscheinend jedoch hoffnungslos überfordert.

Huml räumte gestern ein ein, dass derzeit rund 44.000 Getestete auf ihre Ergebnisse warten, der überwiegende Teil sei bereits letzte Woche getestet worden. Pikant: Zu den Betroffenen zählen auch 900 Infizierte, die von ihrer Diagnose noch nichts wissen dürften und unter Umständen das Virus unwissentlich weiter verbreiten.

Was schief lief

Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) habe es beauftragt, innerhalb eines Tages fünf Testzentren aus dem Boden zu stampfen, so das Rote Kreuz in einer Stellungnahme. Eine entsprechende Software zur Datenerfassung der Getesteten habe das Amt jedoch nicht schnell genug geliefert, sodass die Daten zu Beginn per Hand in Formulare aufgenommen werden mussten.

Diese manuelle Datenverarbeitung sowie die unerwartet hohe Nachfrage seien auch laut Huml die Hauptgründe für die Panne. Mittwoch arbeiteten 300 Mitarbeiter daran, den Rückstand aufzuholen und legten dafür sogar eine Nachtschicht ein.

Oppostion schießt gegen Huml und Söder

Unterdessen erklingen aus der Opposition Stimmen, die politische Konsequenzen für das Versagen der Regierung fordern. Der Generalsekretär der bayerischen SPD sieht Huml in der Pflicht, zurückzutreten. Von Söder fordert er "Buße", da er "mit der Gesundheit der Menschen in Bayern gespielt" habe. Auch von FDP und Grünen hagelte es Kritik.

Unterdessen rief Söder Huml und Andreas Zapf, den Präsidenten des LGL, zu einem Krisengespräch in die bayerische Staatskanzlei.Eine geplanten Ausflug an die Nordsee sagte der Ministerpräsident ab, wohl um sich der Aufarbeitung der Panne zu widmen.

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