Trump ergreift Partei für den Schützen von Kenosha

Vergangenen Dienstag tötete ein 17-jähriger Amerikaner bei einer Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt in der US-Stadt Kenosha zwei Menschen. Nun verteidigte Präsident Donald Trump den jungen Mann öffentlich.


Es ist ein weiterer Fall, der die politischen Lager, welche die Gesellschaft in den USA spalten, weiter verhärtet. Kyle R. - inzwischen auch bekannt als "der Schütze von Kenosha" - schoss mit einem Gewehr auf drei Teilnehmer eines Protestes gegen rassistische Polizeigewalt in der Nähe seines Wohnortes. Nur einer von ihnen überlebte schwer verletzt. Hintergrund der Proteste ist der Tod des Schwarzen Jacob Blake, welcher von einem weißen Polizisten mit sieben Schüssen in den Rücken erschossen wurde.

War es Mord oder Notwehr?

Warum genau Kyle R. die Schüsse abfeuerte ist noch ungeklärt - dennoch inszenieren die politischen Zugkräfte des Landes Kyle R. bereits als die Figur, die in ihr Narrativ passt. Denn die Proteste in Kenosha verliefen häufig nicht ohne Gewalt: Wütende Demonstranten raubten Läden aus und setzten Autos in Brand. In den sozialen Netzwerken riefen bald Bürger dazu auf, die Straßen selbstständig zu schützen. Für Rs Anwalt scheint der Fall dementsprechend klar: Sein junger Mandant handelte aus Notwehr. Er habe "seine Gemeinde verteidigt, als der Staat es nicht getan hat".

Viele Protestteilnehmer und Mitglieder von Organisationen gegen Rassismus in den USA sehen das jedoch ganz anders. In ihren Augen ist Kyle R. ein rechter Terrorist, der bewusst Gewalt gegen Schwarze einsetzt, um die Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben. Fakt ist, dass der junge Mann derzeit wegen zweifachen Mordes, unerlaubten Waffenbesitzes und anderer Delikte in Zusammenhang mit der Tat vor Gericht steht.

Trump bekennt Farbe

Der US-Präsident äußerte sich ebenfalls öffentlich zu dem Fall und schlug sich auf die Seite des Angeklagten. Laut Donald Trump sei der 17-Jährige "sehr gewalttätig" von Demonstranten angegangen worden und "wäre wohl getötet worden", wenn er sich nicht gewehrt hätte. Im Internet kursiert ein Handy-Video, das Teile des Vorfalles zeigt.

Der Präsident steht regelmäßig aufgrund seiner positiven Haltung Waffen gegenüber und seinen hetzerischen Reden gegen die landesweiten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in der Kritik. Trump kündigte nun an, Kenosha einen Besuch abzustatten, obwohl sich der Bürgermeister und der Gouverneur des Bundesstaates Wisconsin dagegen ausgesprochen hatten.

Mehr Infos zeigt das Video.
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