Tesla-Fabrik: Gute Gehälter für Brandenburg?

Tesla plant, nächstes Jahr eine neue Produktionsstätte in Brandenburg in Betrieb zu nehmen. Der US-Konzern lockt potenzielle Arbeitnehmer mit hohen Löhnen, aber verzichtet auf Tarifverträge. Außerdem bemängeln Kritiker den Bau der neuen Fabrik, der derzeit ohne Baugenehmigung läuft.


Elon Musk visits construction site of the Tesla Giga Factory

Das strukturschwache Brandenburg atmet auf: Nahe Berlin baut Tesla eine neue Fabrik in Grünheide. 12.000 Menschen sollen dort eine neue Beschäftigung finden. Nun stellt sich die Frage, ob Tesla ein fairer Arbeitgeber sein wird. Der US-Elektroautobauer möchte in seiner neuen Produktionsstätte zwar keine Tarifverträge einführen, sich aber an den Gehaltstarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie orientieren. Nach eigenen Angaben soll Tesla seine zukünftigen Arbeitnehmer in Grünheide besser entlohnen, als dort ortsüblich ist.

Kein Tarifvertrag, aber hohe Löhne

Die Scheu vor Gewerkschaften ist in innovativen Start-ups weit verbreitet. Trotz meist überdurchschnittlicher Entlohnung verzichten die Mitarbeiter von modernen Unternehmen häufig auf die Vorteile von Tarifverträgen. Es entfallen Regelungen zu den Themen Arbeitszeit, Überstunden, Mitarbeiterentwicklung oder anderen Leistungen. Dennoch ist eine Annäherung an Tarifvertrags-Regelungen für ostdeutschen Bundesländer ein großer Fortschritt. Dort gelten nur für wenige Arbeitnehmer Tarifverträge.

Außerdem können sich vor allem Arbeitslose und Jobwechsler auf die neue Produktionsstätte freuen: Tesla habe kein Problem, Menschen einzustellen, die längere Zeit arbeitslos waren oder keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. On top soll diese Mitarbeitergruppe ein Einstiegsgehalt von 2.700 Euro brutto pro Monat erhalten. Zukünftige Arbeitnehmer mit entsprechender Ausbildung können sich über ein Bruttomonatsgehalt von 3.500 Euro zum Einstieg freuen. Die Bewerbungsgespräche mit Führungskräften für die Elektroauto-Fabrik führt der Konzernchef Elon Musk derzeit höchstpersönlich. Bisher wurden erste Spezialisten unter Vertrag genommen. Denn bereits nächstes Jahr soll die Produktion beginnen.

Tesla baut Fabrik trotz fehlender Genehmigung

Obwohl Elon Musk Anfang September 2020 das Richtfest in Grünheide feierte und die Bauarbeiten jeden Tag voranschreiten, gibt es bislang keine feste Baugenehmigung. Unter vorläufigen Zulassungen nimmt die Produktionsstätte trotzdem weiter Form an. Kritiker forderten daher eine Übersicht der Baupläne und machen sich Sorgen um die Auswirkungen auf die Wasserversorgung, die Flora und Fauna, die Lärmbelästigung und weiteres. Das Umweltministerium Brandenburg prüft derzeit die Einwendungen. Tesla baut ohne die endgültige Baugenehmigung auf eigene Risikoverantwortung – was einige Schlagzeilen und Skandale aufwirft. Wegen unbezahlter Wasserrechnungen wurde dem Konzern im Oktober auf der Baustelle das Wasser abgedreht. Ob die Umsetzung der zukünftigen Produktionsstätte Elon Musks Vision entsprechen wird, zeigt sich wahrscheinlich erst im nächsten Jahr.
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