THW berichtet von Übergriffen in Flutgebieten

Das Technische Hilfswerk (THW) berichtet von zahlreichen Übergriffen auf Hilfskräfte in den vom Hochwasser heimgesuchten Gebieten. Die Polizei bestätigte diese Berichte nun.

A wheel loader of Germany's technical relief agency THW (Technisches Hilfswerk) pulls a THW van out of the water in a flooded street on July 14, 2021 in Hagen, western Germany, after heavy rain hit parts of the country, causing widespread flooding. (Photo by Ina FASSBENDER / AFP) (Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)
Das THW in Einsatz in den Hochwassergebieten (Photo by Ina FASSBENDER / AFP) (Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Helfer des THWs, die derzeit noch immer gegen die Hochwasserschäden im Westen von Deutschland kämpfen, seien während ihrer Einsätze angegriffen worden. Mitarbeiter wurden offenbar schwer beleidigt und mit Müll und Gegenständen beworfen. „Leider kam es in den letzten Tagen vereinzelt zu Übergriffen gegen unsere ehrenamtlichen Helfer“, so das THW auf Twitter. Die Täter seien frustrierte und verzweifelte Flutopfer, vorwiegend aber Anhänger der Querdenker-Bewegung und der Prepper-Szene, die sich offenbar fälschlich als Anwohner oder Journalisten ausgaben und die Stimmung bewusst aufheizen wollten. Das berichtete die Vize-Präsidentin des THW, Sabine Lackner, gegenüber dem RTL/ntv-Format Frühstart.

Im Interview mit Zeit Online erklärte sie: „Das sind Vorfälle, die ich in meiner Zeit beim Technischen Hilfswerk in 20 Jahren noch nicht erlebt habe.“ Ihre Mitarbeiter wären teilweise beschimpft und mit Hausrat und Müll beworfen worden. Außerdem hätten mehrere Personen unerlaubt Fotos gemacht. Das hätte nicht nur die Arbeit des THWs behindert, sondern auch die Helfer erheblich bedroht. Mehrere Mitarbeiter hätten daraufhin zu ihrem eigenen Schutz ihre Namensschilder entfernt.

Jetzt bestätigt die Polizei die Übergriffe

Die Polizei in Koblenz konnte die Berichte über die Angriffe am Samstag zunächst nicht bestätigen. Am Sonntag dann die Klarstellung: Die Beamten konnten die Angriffe nicht bejahen, da die Mitarbeiter des THW keine Anzeigen gegen die Unruhestifter erstatteten, sondern sich primär auf das Helfen an Ort und Stelle konzentrierten. Am Sonntag machte die Polizei die Betroffenen und Verantwortlichen jedoch aus und bestätigte die Anfeindungen. Laut der Polizei Koblenz handle es sich bei den Übergriffen also nicht um Falschmeldungen.

Behörden warnen vor Falschinformationen

Die Behörden warnen derzeit zum wiederholten Male vor Falschmeldungen und Desinformationskampagnen und einer damit verbundenen Instrumentalisierung der Hochwasserkatastrophe. Diese gehe vorwiegend von einer immer größer werdenden Gruppe von Querdenkern und Corona-Leugnern aus, die sich in dem besonders betroffenen Ort Ahrweiler in Rheinland-Pfalz aufhalte. Darunter seien aber auch mehrere Neonazis, Reichsbürger und Verschwörungstheoretiker aller Art. Sie werfen der Politik vor, versagt zu haben und wollen sich selbst als rettende Helfer inszenieren. Auch die Polizei und die Bundeswehr warnen verstärkt vor Falschmeldungen und sind verärgert über vermeintliche Helfer, die Mitarbeiter angreifen oder Rettungswege blockieren.