Wie Ziegen Barcelona vor Waldbränden schützen sollen

Im Kampf gegen die Folgen der Klimaerwärmung setzt man jetzt auch in Barcelona auf ein uraltes, natürliches Verfahren zur Eindämmung von Flächenbränden: das Abgrasen durch Weidevieh.

Schafe fressen im Collserola Park trockene Vegetation – und helfen so gegen Brände. (Foto: Getty Images)
Schafe fressen im Collserola Park trockene Vegetation – und helfen so gegen Brände. (Foto: Getty Images)

Seit Wochen Temperaturen um die 30 Grad, kein Tropfen Regen und vor allem: kein Ende in Sicht. Seen und Flüsse sind auf Rekord-Tiefstständen, der Grundwasserspiegel ist besorgniserregend niedrig. Nicht nur in Deutschland macht sich der Klimawandel besonders in den Sommern immer mehr durch extreme Trockenheit bemerkbar.

Extreme Dürre: Waldbrandfläche in Europa vergrößert sich

Eine weltweite Dürre ist ausgebrochen. Ein verheerender Nebeneffekt dieser Tatsache ist die enorme Häufigkeit von Waldbränden und Buschfeuern. Laut Daten des European Forest Fire Information Systems (EFFIS) war die von Waldbränden betroffene Gesamtfläche in Europa zum Stichtag 16. Juli 2022 etwa 346.000 Hektar groß. Seit 2008 hat sich der Wert vervierfacht.

Schafe und Ziegen als natürliche Feuerwehr

Um dieser großen Gefahr für Mensch, Tier und Vegetation entgegenzuwirken, besinnt man sich jetzt wieder auf althergebrachte Methoden. Was einst durch Landwirtschaft und Weidehaltung ganz natürlich passierte, wird nun ganz bewusst eingesetzt. Wie der Guardian berichtet, grasen aus diesem Grund seit letztem Jahr in Barcelona im öffentlichen Collserola Park 290 Schafe und Ziegen. Sie fressen trockene Grashalme ab und schaffen mit ihren Hufen einen glatten, nicht brennbaren Boden.

Trockenheit: Spanien kämpft weiter gegen Waldbrände

So entstehen natürliche Brandschneisen, die außer Kontrolle geratene Feuer eindämmen können. 50-mal brennt es jährlich in diesem Park, so Eloi Badia, Stadtrat für Klimanotfälle und ökologischen Wandel, gegenüber dem Guardian. "Es ist ein urbaner Park, umgeben von dicht stehenden, städtischen Gebäuden". Sollte einmal ein größerer Brand entstehen, hätte der also auch sehr große Auswirkungen.

Weidevieh gegen Feuersbrunst: Weltweit im Einsatz

Seit 2016 bemüht sich die Organisation Pau Costa Foundation in ihrem Bemühen gegen Waldbrände um den Einsatz der gehörnten Feuerwehr. In Andalusien kommen die grasenden Vierbeiner schon lange zum Einsatz, mittlerweile kümmern sich rund 100.000 Tiere dort um den Brandschutz der Region. Das ist auch noch um ganze 75 Prozent billiger als der Einsatz von Maschinen zu dem Zweck. Aber nicht nur in Spanien setzt man auf Weidevieh, sondern auch in Kalifornien und der kanadischen Provinz British Columbia. In Portugal schreibt man die Eindämmung eines großen Feuers im Jahr 2017 unter anderem Herden von Wildpferden zu.

Tiere sorgen für Biodiversität

Laut Julia Rouet-Leduc, einer Forscherin am Zentrum für integrative Biodiversität an der Universität Leipzig, sind Ziegen und Schafe natürlich kein Allheilmittel gegen Brände. "Aber es ist Teil einer Lösung, die Landschaften widerstandsfähiger gegen Feuer machen kann."

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Ein Nebeneffekt der grasenden Herden: Mit ihren Ausscheidungen düngen sie den Boden und verteilen Pflanzensamen über die Landschaft. So tragen sie dazu bei, dass eine höhere Biodiversität entsteht, was wiederum nicht nur gut für die Natur ist, sondern auch zusätzlich Landschaften kreiert, die den Folgen des Klimawandels besser standhalten können.

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