Ryanair verärgert südafrikanische Passagiere mit fragwürdigem Test

Um herauszufinden, ob Passagiere aus Südafrika tatsächlich aus diesem Land stammen, legt die irische Fluggesellschaft Ryanair diesen Kunden neuerdings einen Wissenstest vor. Doch anstatt damit gefälschten Reisepässen auf die Schliche zu kommen, verärgert Ryanair damit nur echte südafrikanische Staatsbürger.

Passagiere aus Südafrika dürfen teilweise nur noch an Bord, wenn sie einen Fragebogen ausfüllen. Dies ist jedoch nicht jedem Südafrikaner möglich (Symbolbild: Dan Kitwood/Getty Images)
Passagiere aus Südafrika dürfen teilweise nur noch an Bord, wenn sie einen Fragebogen ausfüllen. Dies ist jedoch nicht jedem Südafrikaner möglich (Symbolbild: Dan Kitwood/Getty Images)

15 Fragen über ihr Land sollen Südafrikaner neuerdings beantworten, die via Ryanair nach Großbritannien reisen, wie unter anderem BBC berichtet. Die Fluggesellschaft begründet dies mit der zunehmenden Verbreitung von gefälschten, südafrikanischen Reisepässen. Deswegen "verlangen wir, dass Passagiere, die nach Großbritannien reisen, einen einfachen Fragebogen auf Afrikaans ausfüllen", zitiert BBC aus einem Stellungnahme von Ryanair.

Nicht allen Passagieren werde der Fragebogen vorgelegt, wie es in dem Statement weiter heißt, sondern nur denjenigen, die bei der Sicherheitskontrolle ausgewählt würden. "Wenn sie den Fragebogen nicht vollständigen ausfüllen können, wird ihnen die Reise verwehrt und sie bekommen eine volle Rückerstattung."

Nicht jeder Südafrikaner spricht Afrikaans, eine Sprache mit kontroverser Geschichte

Doch so "einfach" die Fragen auch sein mögen, stößt die neue Regelung auf großen Ärger unter vielen südafrikanischen Bürgern - vor allem wegen der Sprache, in der der Test gehalten ist. Zum einen ist Afrikaans lediglich eine von insgesamt elf Amtssprachen des Landes und ist nur bei 13 Prozent der Bevölkerung die Muttersprache. Viele Südafrikaner sprechen also schlicht kein Afrikaans.

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Darüber hinaus ist Afrikaans mit ihren niederländischen Einflüssen eine Sprache aus der Kolonialzeit und wurde während der Apartheid eine der offiziellen Sprachen des Landes. Seit dem Ende der Apartheit im Jahr 1990 ist Afrikaans kein Pflichtunterricht an den Schulen mehr, ruft für viele jedoch immer noch Erinnerungen an die Ausgrenzung und Unterdrückung von Dunkelhäutigen während dieser Zeit hervor.

Heftige Kritik - vor allem, aber nicht nur wegen der Sprache

So erging es dem südafrikanischen Staatsbürger Dinesh Joseph, der im Mai mit Ryanair von Lanzarote nach London fliegen wollte, als er den Fragebogen auf Afrikaans mit dem Kommentar "Das ist Ihre Sprache" vorgelegt bekam. "Ich kochte vor Wut", sagte Joseph der BBC. "Das löste so viel in mir aus, ich fühlte Angst und Wut in mir. Es ist gefühllos und unsensibel, Leute zu einem Test zu zwingen, der so viele Emotionen auslöst. Afrikaans war die Sprache der Apartheid." Afrikaans zu sprechen, habe nichts damit zu tun, Südafrikaner zu sein, wie Joseph betonte.

Eine BBC-Korrespondentin aus Südafrika gab zudem an, den Test selbst nicht bestehen zu können. "Ich habe diese Sprache in meiner Erinnerung blockiert."

Auch online ruft der Test heftige Kritik hervor. Erste Fotos davon wurden bereits auf Twitter gepostet, und in Kommentaren machen Nutzer ihrem Ärger Luft. Ryanair solle sich "bilden, dass die Apartheid in Südafrika vorbei ist", heißt es dort. Ein anderer Nutzer nennt die neue Regelung "voreingenommenen Mist".

Doch nicht nur aufgrund seiner Sprache ist der Fragebogen in der Kritik, sondern auch, dass er Reisenden überhaupt vorgelegt wird. Weder der Grenzschutz in Irland noch der in England verlange einen solchen Test, wie der BBC bestätigt wurde. Dies sei einzig und allein eine Aktion von Ryanair.

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