Stiko-Empfehlung: Kann ein mRNA-Impfstoff das Herz schädigen?

Unter 30-Jährige sollen in Zukunft nur noch den Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten. Diese Empfehlung sprach die Stiko kürzlich aus. Grund dafür sind mehrfach aufgetretene Herzprobleme nach einer Corona-Impfung bei jüngeren Menschen.

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Symbolbild

Die Empfehlung bezieht sich sowohl auf die Erst- und Zweitimpfung, als auch auf alle folgenden Immunisierungen. Das einer der mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna eine Entzündung am Herzmuskel (Myokarditis) oder am Herzbeutel (Perikarditis) hervorrufen kann, ist zwar schon länger bekannt, allerdings auch extrem selten. Doch wie viele Fälle gab es bisher überhaupt und was hat die Stiko nun zu ihrer Entscheidung bewegt?

Diese Menschen erkranken am häufigsten

Im Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) vom Oktober 2021, der in Übereinstimmung mit zahlreichen Daten internationaler Institute entstand, erkrankten vor allem männliche Jugendliche und junge Erwachsene unter 29 Jahren nach einer mRNA-Impfung an Herzproblemen. Komplikationen traten meist in den ersten 14 Tagen nach der Impfung auf. In den meisten Fällen verliefen die Herzentzündungen extrem mild. Dass sich die Stiko nun ausgerechnet für einer Weiterverwendung des Biontech-Impfstoffs bei Menschen unter 30 entschieden hat, hat ebenfalls einen Grund.

Warum von Moderna abgesehen wird

Bei den Studien zu den Herzentzündungen in Verbindung mit der Impfung, fiel vor allem der zweite mRNA-Corona-Impfstoff von Moderna negativer auf. In den meisten Fällen einer Herzerkrankung wurde den jungen Menschen vorab der Moderna-Wirkstoff gespritzt. Darum setzt die Stiko auf Biontech. Diese Empfehlung gilt nun kollektiv für alle Personen unter 30, unabhängig von ihrem Geschlecht. Alle Menschen über 30 können weiterhin auch den Moderna-Impfstoff erhalten.

Herzspezialist: Hohes Risko für alle, die nicht geimpft sind

Auch als Person unter 30 Jahren sollte man aber nun keineswegs von einer Impfung gegen Corona absehen. Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und Herzspezialist, rät:

"Diese sehr seltenen und in der Regel mild verlaufenden Fälle einer Myokarditis oder Perikarditis – wir sprechen hier von knapp fünf Fällen bezogen auf 100.000 Impfungen – heilen in nahezu allen Fällen aus und dürfen keineswegs Grund dafür sein, sich gegen eine Covid-19-Impfung zu entscheiden – zumal die Option besteht, auf den mRNA-Impfstoff Comirnaty (Biontech – Anm. d. Red.) auszuweichen."

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering

Die genauen Zahlen zu den Fällen mit Herzentzündungen liegen noch nicht vollständig vor. Wie von mehreren Experten bereits erklärt, ist die Wahrscheinlichkeit nach einer Corona-Impfung an einer Herzentzündung zu erkranken jedoch sehr gering. Bei den insgesamt mehr als 92 Millionen Impfdosen von Biontech oder Moderna, die bis September 2021 verimpft wurden, sind 1.243 Verdachtsmeldungen einer Myo-/Perikarditis bekannt, allerdings unabhängig von ihrer ursächlichen Verbindung zu einem der Impfstoffe. Umgerechnet beträgt die Melderate einer Herzentzündung bei Corona-Impfungen für den Biontech-Impfstoff bei unter 30-Jährigen etwa fünf Fälle pro 100.000 Impfungen. Das macht die Wahrscheinlichkeit sehr gering.