Studie: So sehr beeinflussen Mond und Sonne das Verhalten auf der Erde

Eine aktuelle Studie der Universität Campinas in Brasilien belegt den großen Einfluss, den Sonne und Mond auf das Verhalten aller biologischer Organismen auf der Erde haben. Ausdrücklich wird hier auch der Einfluss auf die komplette Tier- und Pflanzenwelt mitberücksichtigt, nicht nur auf das Verhalten und Empfinden des Menschen.

Der Blick vom Mond auf die Erde. (Bild: Getty Images)
Der Blick vom Mond auf die Erde. (Bild: Getty Images)

Bisher wurde der weitreichende Einfluss der sogenannten astronomischen Gezeiten von der Forschung oft vernachlässigt. Nun konnte aber die Universität von Campinas in Brasilien deutliche Veränderungen der Autolumineszenz bei der Samenkeimung feststellen, die in direktem Zusammenhang mit unserem Sonne-Mond-Erde-System stehen.

Leuchtkraft sorgt bei Forschern für neue Erkenntnis

Auto- oder Biolumineszenz nennt man die Emission von sichtbarem Licht eines Lebewesens. Eines der bekanntesten Lebewesen mit dieser Art Superpower ist wohl das Glühwürmchen, aber auch manche Einzeller können in großen Kolonien ihre Leuchtkraft eindrucksvoll einsetzen. Wie zum Beispiel die mikroskopisch kleinen Algen, die das Wasser in der Mosquito Bay vor Puerto Rico blau aufleuchten lassen.

Genau dieser Effekt brachte die Wissenschaftler Cristiano de Mello Gallep aus Sao Paulo und Daniel Robert von der Universität Bristol in England nun darauf, die Auswirkung der astronomischen Gezeiten auf sämtliches Leben näher zu untersuchen.

Alles orientiert sich am Rhythmus unseres Sonnensystems

"Alle Materie auf der Erde, egal ob inaktiv oder lebendig, erfährt die Auswirkungen der Gravitationskräfte von Sonne und Mond, die sich in Form von Gezeiten ausdrücken", so Cristiano de Mello Gallep. "Die periodischen Schwankungen weisen zwei tägliche Zyklen auf und werden monatlich und jährlich durch die Bewegungen dieser beiden Himmelskörper moduliert. Alle Organismen auf unserem Planeten haben sich in diesem Zusammenhang entwickelt und sind seit jeher von dieser rhythmischen Aktivität geprägt."

Unter anderem wurde das Verhaltensmuster von Krebsen untersucht. (Bild: Getty Images)
Unter anderem wurde das Verhaltensmuster von Krebsen untersucht. (Bild: Getty Images)

Die Daten zeigten, dass in Ermangelung anderer rhythmischer Einflüsse wie Beleuchtung und Temperatur lokale Gezeiten ausreichen, um das zyklische Verhalten von Organismen zu organisieren. Die Studie befasste sich unter anderem mit der Auswirkung von Gezeitenzyklen auf das Verhaltensmuster von Krebsen, wenn diese aus ihrem natürlichen Lebensraum entfernt werden.

Krebse liefern faszinierenden Beweis

Wissenschaftler Gallep führt dazu weiter aus: "Diese Tiere modulieren ihr Verhalten im Einklang mit Ebbe und Flut in einem Zyklus von ungefähr 12,4 Stunden, der sich aus der lunisolaren Dynamik ergibt, selbst wenn sie in ein Labor mit stabilen und kontrollierten Wasserbedingungen gebracht werden. Das Muster hält mehrere Tage an und stimmt mit der Gezeitenzeit an der Stelle überein, an der die Organismen in der Natur gesammelt wurden."

Unsere innere Uhr funktioniert auch in völliger Dunkelheit

Nicht nur einfachste Organismen passen ihren Rhythmus den Gravitationszyklen an. Wissenschaftliche Studien ergaben, dass Menschen, die für längere Zeit ohne Tageslicht und ohne Anhaltspunkte für die Uhrzeit sind, dazu neigen, sich unbewusst am Mondzyklus zu orientieren. Das heißt, sie etablieren automatisch eine zyklische Fluktuation von 24,4 bis 24,8 Stunden, was sowohl den Wechsel von Schlaf- und Wachzeiten, als auch die Essenszeiten und andere Stoffwechselfunktionen beeinflusst.

Der individuelle Rhythmus, nachdem wir unsere Einschlaf- und Aufwachzeiten gestalten (müssen), mag von Mensch zu Mensch und Organismus zu Organismus variieren. Der grundsätzliche Zyklus, nachdem sich alles Leben auf der Erde richtet, scheint aber noch wesentlich stärker durch die Gezeiten unseres Sonnensystems bestimmt zu werden als wir bisher dachten.