Todeskandidat will Aufschub, um Organ zu spenden - Staat Texas hält dagegen

In weniger als zwei Wochen soll der wegen Mordes zum Tode verurteilte Ramiro Gonzales im US-Bundesstaat Texas hingerichtet werden. Um einer jungen Frau eine Niere spenden zu können, will er seine Exekution um 30 Tage verschieben - bisher stellt sich die Regierung von Texas jedoch quer.

Organspenden sind im US-Todestrakt extrem selten. Nun will ein verurteiler Mörder eine Niere spenden - und darf nicht (Symbolbild: Getty Images)
Organspenden sind im US-Todestrakt extrem selten. Nun will ein verurteilter Mörder eine Niere spenden - und darf nicht (Symbolbild: Getty Images)

2006 wurde der heute 39-jährige Ramiro Gonzales zum Tode verurteilt. Er hatte im Alter von 18 Jahren eine gleichaltrige Frau entführt, missbraucht und schließlich getötet. Ihre Leiche wurde erst zwei Jahren später gefunden. Am 13. Juli, nach fast 15 Jahren im Todestrakt, soll sein Urteil nun vollstreckt werden. Gonzales aber will die Hinrichtung um 30 Tage aufschieben, wie unter anderem AP News berichtet - denn er will eine seiner Nieren spenden können.

Nach seiner Hinrichtung wäre dies nicht mehr möglich, da Gonzales durch eine Giftspritze getötet wird - die Organe werden damit unbrauchbar. Doch Gonzales sei es ein Anliegen, ein Leben zu retten, wie der jüdische Geistliche Michael Zoosman sagte.

Zoosman, der sich aktiv gegen die Todesstrafe in den USA einsetzt, steht seit über einem Jahr mit Gonzales in Kontakt, wie er der Zeitung The Independent erzählte. "Er wollte viel über die jüdischen Lehren über Vergebung und Buße wissen", sagte Zoosman. Er habe akzeptiert, dass sein Schicksal feststehe, wolle aber unbedingt eine Form von Wiedergutmachung leisten. Als der Geistliche schließlich von einer Frau in seiner Synagoge erzählt habe, die dringend eine Nierenspende benötigt, sei Gonzales sofort an Bord gewesen.

Gonzales wäre idealer Kandidat für die Spende - doch Texas winkt ab

Er wäre ein idealer Kandidat, da er die seltene Blutgruppe B besitzt, wie Tests belegten. Auf diese Weise, so Zoosman, könne Gonzales zumindest den Tod einer anderen Person verhindern. Bei dem Vorhaben macht bislang allerdings der Staat Texas nicht mit.

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Gonzales' Anwälte haben bei Greg Abbott, dem republikanischen Gouverneur von Texas, um einen Monat Aufschub der Hinrichtung gebeten, um die Organspende in die Wege zu leiten und durchführen zu können. Auch ein Brief von Zoosman lag dem Antrag bei, wie AP berichtet. Doch der zuständige Begnadigungsausschuss hat den Antrag abgelehnt.

Ein Unding, wie Zoosman findet. Ebenso wie Gonzales' Anwälte ist er überzeugt davon, dass der verurteilte Mörder nicht einfach nur seine Hinrichtung aufschieben will, sondern aufrichtig Buße tun will. "Es ist eine Möglichkeit für ihn, Wiedergutmachung zu leisten", sagte Anwälting Thea Posel dem Radiosender KRLD Radio. "Es wäre eine Farce, das zu verhindern."

Organspende bei Todeskandidaten äußerst selten

Auch Experten glauben nicht, dass eine solche Bitte Taktik ist. In diesem Fall, wie Robert Dunham von dem Death Penalty Information Center AP News sagte, würde dies viel öfter passieren. Tatsächlich jedoch seien Anträge für Organspenden unter Todeskandidaten äußerst selten.

1995 spendete der verurteilte Mörder Steven Shelton seiner Mutter eine Niere. 2013 sollte die Hinrichtung von Ronald Phillips verschoben werden, damit seine Bitte, seiner Mutter eine Niere zu spenden, geprüft werden könne. Später wurde der Antrag abgelehnt, und Phillips wurde 2017 hingerichtet. Der Stiftung National Kidney Foundation zufolge sterben in den USA jeden Tag 13 Menschen, die vergeblich auf eine Spenderniere warten.

Gonzales hat noch eine Chance: Am 11. Juli - zwei Tage vor seiner geplanten Hinrichtung - wird der Begnadigungsausschuss noch ein letztes Mal über seinen Antrag abstimmen.

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