Uma Thurman: Über dieses Video diskutiert ganz Amerika

Bei den Dreharbeiten zu „Kill Bill" soll Quentin Tarantino die Schauspielerin zu einem verhängnisvollen Stunt gezwungen haben. Jetzt ist die Szene erstmals zu sehen.


Ein Interview mit der New York Times beschäftigt dieser Tage die USA. Es heißt: „Darum ist Uma Thurman wütend." Es handelt sich um eine weitere Abrechnung mit den Machenschaften des sexuell übergriffigen Filmproduzenten Harvey Weinstein. Und des frauenfeindlichen Systems Hollywood.

„Sie wurde vergewaltigt, sexuell missbraucht, in heißem Stahl zerquetscht", beginnt der Artikel, in dem die Schauspielerin ihre traumatischen Erfahrungen mit dem Filmgeschäft im Allgemeinen sowie Harvey Weinstein – und Regisseur Tarantino im Besonderen erzählt.

Uma Thurmans Weinstein-Erlebnis

Zunächst dreht sich das Interview um den mittlerweile als Hollywood-Ekel akzeptierten Bösewicht Weinstein. Thurman schildert, wie sich der Produzent des Filmklassikers „Pulp Fiction", mit dem auch Thurman und Tarantino zu Stars wurden, nach seiner üblichen Masche auch an sie herangewanzt hat.

Es war im Rahmen einer Vier-Augen-Besprechung auf einer Promotour in einem Pariser Hotel. Zunächst habe Thurman sich nur gewundert, dass Weinstein im Bademantel vor ihr stand – wie ein „exzentrischer Onkel". Kurz darauf setzte er jedoch zum Angriff an und wollte sich auf sie legen. Es kam zu einem Gerangel. Thurman konnte sich befreien und aus seiner Hotelsuite flüchten.

Hinterher versuchte Weinstein die peinliche Episode mit einem großen Blumenstrauß vergessen zu machen. Aber Thurman, zu der Zeit bereits ein gefeierter Hollywoodstar, war außer sich und drohte ihm damit, seine Karriere, Reputation und Familie zu zerstören, falls der Produzent sich ihr gegenüber noch einmal so etwas herausnehmen sollte.

Rückblickend sei die Erfahrung mit Weinstein aber nicht als das größte Trauma dieser Zeit bei ihr hängengeblieben. Eine andere Begebenheit sei bis heute viel verletzender – sowohl psychisch als auch physisch. Sie betrifft die Dreharbeiten zu „Kill Bill". Ein Kampffilm, in dem Thurman – ironischer Weise – eine selbstbewusste Actionheldin mimt.

Tarantino und der verhängnisvolle Autostunt

Im Zentrum: Regisseur Quentin Tarantino, dessen schauspielerische Muse Thurman über Jahre war. Schauplatz: Ein Waldstück in Mexiko während der Dreharbeiten zu „Kill Bill". Gedreht werden sollte eine wilde Fahrt mit einem Karmann-Ghia-Cabriolet über einen engen, sandigen Waldweg. Am Steuer sollte Thurmans Figur sitzen.

Da sich die Schauspielerin als keine gute Autofahrerin betrachtete, wollte sie, dass in der Szene eine Stuntfrau für sie einspringt. Aber Tarantino brachte sie dazu, sich selbst hinter das Steuer zu setzen: „Fahr 40 Meilen pro Stunde, sonst werden deine Haare nicht richtig durchgewirbelt und du musst es nochmal machen", soll er ihr noch mit auf den Weg gegeben haben.

Die Fahrt wurde ein Desaster. Thurman verlor die Kontrolle über das Auto und krachte ungeschützt gegen einen Baum. Sie zog sich schwere Verletzungen am Nacken und an den Beinen zu. Und die Szene verschwand über Jahre im Giftschrank der Produktionsfirma. Angeblich auf Geheiß von Produzent Harvey Weinstein.

Es ging nur darum Geld zu sparen

Der Unfall habe sie zu einem „kaputten Werkzeug" gemacht, sagt Thurman. Er war zugleich der Schlussstrich in der Zusammenarbeit mit dem Duo Weinstein/Tarantino. Was sie an dem Vorfall heute am meisten trifft, sei die Tatsache, dass es Tarantino in der Szene nur darum gegangen sei, Geld zu sparen. Er wollte einfach keine Stuntfrau einfliegen lassen und die Dreharbeiten in die Länge ziehen. Das war sie ihm nicht wert.

Für das Interview hat Tarantino, vom schlechten Gewissen nach den Enthüllungen um seinen langjährigen Produzenten Weinstein geplagt, Uma Thurman die Crashszene nach Jahren schließlich doch besorgt. „Er tat es mit dem Wissen, dass es ihm persönlich schaden könnte, und ich bin stolz auf ihn, dass er das Richtige getan hat und für seinen Mut", kommentiert Thurman diese Geste.

Die Schauspielerin hat das unheilvolle Ende der Crashfahrt mittlerweile über Instagram der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
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