Missbrauchs-Urteil: Handschellen für Harvey Weinstein

Ex-Filmmogul Harvey Weinstein ist von einem Geschworenengericht in New York in zwei Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Jetzt droht ihm eine lange Haftstrafe. Seine Anwältin hat angekündigt, in Berufung gehen zu wollen.



Nach dem Richterspruch klickten die Handschellen und einer der ehemals einflussreichsten Männer Hollywoods wurde abgeführt. Weil die Geschworenen-Jury den Angeklagten in den Punkten Vergewaltigung und schwere sexuelle Nötigung nach fünftägiger Beratung für schuldig befunden hat, könnte er bis zu 29 Jahre hinter Gitter wandern. Im schwerwiegensten Anklagepunkt "serielle sexuelle Attacken", der nach US-Recht zu einer lebenslangen Haftstrafe geführt hätte, erzielte die Jury allerdings keine Einigkeit.

"Dies ist eine neue Ära"

Der New Yorker Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance sprach von einer Zeitenwende im Kampf gegen sexuelle Gewalt: "Es ist eine Vergewaltigung, auch wenn es keine physischen Beweise gibt und selbst wenn es vor langer Zeit passiert ist. Dies ist die neue Situation für Opfer sexueller Übergriffe in Amerika. Dies ist eine neue Ära".

Auch die klagenden Opfer sowie Frauenverbände zeigten sich über das Urteil erleichtert. Louisette Geiss sagte, sie fühle sich nach dem Richterspruch "viel sicherer". Die Liste der unmittelbar betroffenen Opfer ist lang: Mehr als 80 Frauen haben Weinstein sexuellen Missbrauch vorgeworfen.

Für Weinsteins Anwältin Donna Rotunno ist der Kampf derweil noch lange nicht zu Ende. Sie versuchte bis zuletzt die Glaubwürdigkeit der Zeuginnen zu erschüttern und warf ihnen vor, die nachträgliche "Reue" über einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit Missbrauch zu verwechseln. Sie will daher in Berufung gehen.

Erst Krankenhaus, dann Knast

Der ehemalige Filmproduzent wurde aus dem Gerichtssaal abgeführt und wird bis zur Verkündigung des finalen Strafmaßes am 11. März in Untersuchungshaft genommen. Bevor er jedoch in das Gefängnis Rikers Island auf einer Insel vor New York gebracht werden kann, macht Weinsteins schlechter Gesundheitszustand einen Krankenhausaufenthalt nötig. Der 67-Jährige hatte zuletzt über "Schmerzen in der Brust" geklagt und soll aufgrund seines hohen Blutdrucks untersucht werden.

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