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Stolpersteine der Geschichte 124 video https://img.vidible.tv/prod/2017-11/14/5a0b33e8dbbc252f4d8bdc09/5a0b33f0c8b4d7275a39f036_o_A_v1.jpg Eine ganz normale Wohngegend, die Thomasiusstraße in Frankfurt. Bis 1941 lebte hier ein jüdisches Schulmädchen, Karolina Cohn. Ihr Schicksal war lange ungeklärt. Dank einem Amulett gelang Archäologen und Ahnenforschern das Unglaubliche: Karolina eine Identität und eine Familie zu geben. Barry Eisemann nimmt an ihrem Stolperstein Abschied. Sein Vater war Karolinas Onkel, der frühzeitig in die USA flüchtete. “Sie war seine Nichte. Als er wegging, war sie anderthalb Jahre alt. Ich bin mir deshalb sicher, dass er sie kannte. Aber er hat uns, seinen Kindern, nie von seiner Familie erzählt,” bedauert er Eisemann. Ahnenforscher kontaktierten Familiemitglieder auf drei Kontinenten – niemand hatte je von Karolina Cohn gehört. Am Stolperstein treffen sie alle erstmals aufeinander. Mandy Eisemann reiste mit ihrem Vater und dem Sohn an. “Ich hatte doch keine Ahnung, dass wir nicht nur im kleinen Kreis hier sein würden,” sagt sie, noch fassungslos angesichts ihrer zahlreichen Verwandten. “Zuerst die Entdeckung des Kettenanhängers, dann diese vielen, mir unbekannten Familienmitglieder aus aller Welt, das ist schon bemerkenswert. Dieses kleine Mädchen hatte keine Ahnung, als sie ihr Amulett unter den Bretterboden schob, dass sie damit eine weit verstreute Familien zusammenbringt.” Verstreut in den USA, Israel, Italien, Großbritannien und Japan. Dass Karolina Cohns Weg in das deutsche Vernichtungslager Sobibor führte, brachte ihr Amulett ans Licht. Eingraviert waren darauf ihr Geburtstag und ihre Herkunft. Das Geburtenregister in Frankfurt hat am besagten Tag nur die Geburt eines jüdischen Babys verzeichnet. Der Archäologe Wojciech Mazurek hatte eine weitere Spur. Er erklärt, “wir wussten, dass die jüdische Schule in Frankfurt diese Amulette nur an Mädchen zweier Jahrgänge austeilte. Einen ähnlichen Kettenanhänger hatte übrigens auch Anne Frank, die ebenfalls aus Frankfurt am Main stammte.” Der Rest ist Geschichte – und nun auch Teil der Familiengeschichte von Karolina Cohns weit verstreuten, neuen Verwandten. Euronews German News World News 2017-11-14 18:18:00
Stolpersteine der Geschichte
Eine ganz normale Wohngegend, die Thomasiusstraße in Frankfurt. Bis 1941 lebte hier ein jüdisches Schulmädchen, Karolina Cohn. Ihr Schicksal war lange ungeklärt. Dank einem Amulett gelang Archäologen und Ahnenforschern das Unglaubliche: Karolina eine Identität und eine Familie zu geben. Barry Eisemann nimmt an ihrem Stolperstein Abschied. Sein Vater war Karolinas Onkel, der frühzeitig in die USA flüchtete. “Sie war seine Nichte. Als er wegging, war sie anderthalb Jahre alt. Ich bin mir deshalb sicher, dass er sie kannte. Aber er hat uns, seinen Kindern, nie von seiner Familie erzählt,” bedauert er Eisemann. Ahnenforscher kontaktierten Familiemitglieder auf drei Kontinenten – niemand hatte je von Karolina Cohn gehört. Am Stolperstein treffen sie alle erstmals aufeinander. Mandy Eisemann reiste mit ihrem Vater und dem Sohn an. “Ich hatte doch keine Ahnung, dass wir nicht nur im kleinen Kreis hier sein würden,” sagt sie, noch fassungslos angesichts ihrer zahlreichen Verwandten. “Zuerst die Entdeckung des Kettenanhängers, dann diese vielen, mir unbekannten Familienmitglieder aus aller Welt, das ist schon bemerkenswert. Dieses kleine Mädchen hatte keine Ahnung, als sie ihr Amulett unter den Bretterboden schob, dass sie damit eine weit verstreute Familien zusammenbringt.” Verstreut in den USA, Israel, Italien, Großbritannien und Japan. Dass Karolina Cohns Weg in das deutsche Vernichtungslager Sobibor führte, brachte ihr Amulett ans Licht. Eingraviert waren darauf ihr Geburtstag und ihre Herkunft. Das Geburtenregister in Frankfurt hat am besagten Tag nur die Geburt eines jüdischen Babys verzeichnet. Der Archäologe Wojciech Mazurek hatte eine weitere Spur. Er erklärt, “wir wussten, dass die jüdische Schule in Frankfurt diese Amulette nur an Mädchen zweier Jahrgänge austeilte. Einen ähnlichen Kettenanhänger hatte übrigens auch Anne Frank, die ebenfalls aus Frankfurt am Main stammte.” Der Rest ist Geschichte – und nun auch Teil der Familiengeschichte von Karolina Cohns weit verstreuten, neuen Verwandten.