Weißrussland: Lukaschenko droht Ryanair-Piloten mit Abschuss

Weißrussland hat eine Passagiermaschine von Ryanair, bei welcher sich ein Oppositioneller an Bord befand, zur Landung gezwungen und mit einem Abschuss gedroht. Der Fall sorgte weltweit für Entsetzen.

A photo taken on May 23, 2021 shows a Boeing 737-8AS Ryanair passenger plane (flight FR4978, SP-RSM) from Athens, Greece, that was intercepted and diverted to Minsk on the same day by Belarus authorities, landing at Vilnius International Airport, its initial destination. - European Union leaders will discuss toughening their sanctions regime against Belarus on May 24 at their planned summit, after Minsk diverted the Ryanair passenger flight flying from Athens to Vilnius and arrested Belarusian opposition activist Roman Protasevich. (Photo by PETRAS MALUKAS / AFP) (Photo by PETRAS MALUKAS/AFP via Getty Images)
Die weißrussische Regierung zwang eine Passagiermaschine mit Oppositionellen an Bord zur Landung (Photo by PETRAS MALUKAS / AFP) (Photo by PETRAS MALUKAS/AFP via Getty Images)

Weißrusslands Autokrat ist bekannt für seine harten Maßnahmen gegen Regierungskritiker. Jetzt hat der Politiker allerdings eine Aktion provoziert, die es so noch nicht gegeben hat. Am Sonntagnachmittag ließ Lukaschenko ein Linienflugzeug des Unternehmens Ryanair, das auf dem Weg von Athen in die litauische Hauptstadt Vilnius unterwegs war, abfangen und zwang die Piloten zur Landung in Minsk, angeblich wegen einer Bombe an Bord. Doch diese Begründung war offenbar nur ein Vorwand. Wer sich allerdings tatsächlich an Bord war, war der regierungskritische Journalist Roman Protassewitsch, der im polnischen Exil lebt. Lukaschenko ließ zunächst alle Passagiere festsetzen, was einer Geiselnahme gleichkommt, und verhaftete den 26-Jährigen Journalisten. Er soll bereits kurz vor dem Abflug der Maschine in Athen beobachtet, fotografiert und verfolgt worden sein.

Lukaschenko soll mit Abschuss gedroht haben

Am Abend gegen 19:30 Uhr durfte die Maschine schließlich wieder abheben. Protassewitsch wurde in Weißrussland festgehalten. Lukaschenko stellte die ganze Aktion im Nachhinein als 'freundliche Geste' gegenüber Europa dar. Er habe einen gefährlichen Bombenanschlag abgewehrt. Die Realität sah allerdings ganz anders aus. Lukaschenko persönlich soll den Befehl zur Erzwingung der Landung gegeben haben, die Passagiermaschine soll dabei von einem Mig-29-Jäger der weißrussischen Luftwaffe begleitet worden sein. Offenbar soll der Autokrat sogar mit einem Abschuss des Flugzeugs gedroht haben, sollte die Landung nicht erfolgen. Hinter der angeblichen Bombendrohung soll der weißrussische Geheimdienst stecken.

Vorfall kommt einer Flugzeugentführung gleich

Was als vorsorgliche Notlandung inszeniert würde, war tatsächlich nichts anderes als eine Flugzeugentführung. Der Vorfall sorgte weltweit für Aufregung. Mehrere Politiker äußerten die Befürchtung, dass der Fall für andere Autokraten als Inspiration gelten könnte und forderten umgehende Sanktionen gegen Weißrussland. Für unbeteiligte Flugreisende könnten derartige Formen des Staatsterrorismus' als unberechenbares und sehr gefährliches Risiko darstellen.