Wie gesund ist Gemüse wirklich? Studie sorgt für Diskussionen

Wenn sich die ewig neuen Studien zum Thema Ernährung in einem einig waren, dann darin, dass Gemüse durchweg gut für uns ist. Eine aktuelle Untersuchung spricht der pflanzlichen Nahrung nun zumindest einen gesundheitlichen Vorteil ab: Gemüse, so die Behauptung, sei nicht gut fürs Herz.

Gemüse ist die Basis einer gesunden Ernährung - oder etwa nicht? Eine Studie meldet Zweifel an (Symbolbild: Getty Images)
Gemüse ist die Basis einer gesunden Ernährung - oder etwa nicht? Eine Studie meldet Zweifel an (Symbolbild: Getty Images)

Erst vor Kurzem war eine US-Studie zu dem Schluss gekommen, dass eine Person ihr Leben um bis zu 13 Jahre verlängern kann, wenn sie in jungen Jahren die Ernährung auf mehr Gemüse, Vollkornprodukte, frisches Obst und Nüsse umstellt. Überraschend war das für niemanden, denn dass Gemüse die Basis einer gesunden Ernährung ist, galt als sicher.

Umso überraschender ist eine neue Ernährungsstudie aus Großbritannien, die am Montag im Fachmagazin "Frontiers in Nutrition" veröffentlicht wurde. Diese besagt, dass Gemüse, vor allem gekochtes, das Risiko für Herzkrankheiten keinesfalls verringern könne.

Kann Gemüse Herzkrankheiten vorbeugen? Eine neue Studie will das widerlegt haben

Die Ernährung von 400.000 Briten über den Zeitraum von zehn Jahren wurde mithilfe der Datenbank UK Biobank hierfür analysiert - mit ernüchterndem Ergebnis: Während rohes Gemüse womöglich einen gewissen Schutz vor kardiovaskulären Erkrankungen bieten könne, verfalle dieser Effekt, sobald es gekocht, gebraten oder anderweitig zubereitet würde. Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass jegliche positive Effekte, die Gemüse auf die Gesundheit haben soll, verschwinde, wenn weitere Faktoren wie Rauchen, Bewegung, Alkoholkonsum, Fleischkonsum oder die Einnahme von Vitaminpräparaten berücksichtigt würde.

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"Unsere Studie fand keinen Beweis für einen vorbeugenden Effekt von Gemüsekonsum in Bezug auf kardiovaskuläre Krankheiten", zitiert CNN aus einer Stellungnahme von Qi Feng von der Universität Oxford, der an der Studie beteiligt war. Die Annahme, dass Gemüse diese Wirkung habe, nennt er weiterhin "Voreingenommenheit" in Bezug auf Unterschiede im sozioökonomischen Status.

"Keine Rechtfertigung, um kein Gemüse zu essen": Die Studie ruft Kritiker auf den Plan

Ist damit nun also wissenschaftlich belegt, dass Gemüse überbewertet ist? Keinesfalls, wie andere Experten nach Veröffentlichung der Studie schnell betonten. "Es gibt jede Menge Studien, dass ballaststoffreiche Kost wie Gemüse Gewicht reduzieren und andere Risikofaktoren für Herzkrankheiten senken kann", sagt beispielsweise Naveed Sattar, Professor für Kardiovaskuläre Medizin an der Universität Glasgow, CNN. "Diese reine Beobachtungsstudie kann diese Beweise nicht widerlegen."

Ernährungsexpertin Alice Lichtenstein fügte dem Sender gegenüber hinzu, dass die Wissenschaft heutzutage nicht ein einzelnes Nahrungsmittel hervorheben würde, sondern die Ernährung als Ganzes betrachten würde. Pflücke man in einer Studie nur ein einziges heraus, ließe sich leicht schlussfolgern, dass es keinen Effekt habe.

Wichtig sei Experten zufolge nach wie vor eine ausgewogene Ernährung mit viel Vollkornprodukten und ballaststoff- und vitaminreicher Kost - so wie eben Gemüse (Symbolbild: Getty Images)
Wichtig sei Experten zufolge nach wie vor eine ausgewogene Ernährung mit viel Vollkornprodukten und ballaststoff- und vitaminreicher Kost - so wie eben Gemüse (Symbolbild: Getty Images)

In eine ähnliche Kerbe schlägt Gunter Kuhnle von der Universität Reading, der die ganze Methodik der Studie in Frage stellt. Dabei sei festgestellt worden, dass der durchschnittliche Brite fünf Esslöffel Gemüse am Tag esse, was etwa 71 Gramm entspricht. Eine geringe Menge, die fernab der fünf Portionen täglich sind, die nach wie vor für eine ausgewogene Ernährung empfohlen werden.

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Aber: "Anstatt von Gemüse müssen die Leute etwas anderes essen, und wenn man die Wirkung von Gemüse einschätzen will, ist es wichtig zu berücksichtigen, womit es ersetzt wird", so Kuhnle gegenüber CNN. Einen Schokoriegel mit einer Karotte zu ersetzen, könne dem Vorbeugen von Herzkrankheiten beispielsweise zuträglich sein - eine Karotte mit einer Scheibe Vollkornbrot zu ersetzen hingegen weniger.

Sein Fazit: "Es ist eine interessante Studie, aber keinesfalls eine, die als Rechtfertigung genutzt werden sollte, kein Gemüse mehr zu essen."

Nach wie vor, so Liechtenstein, sei die aktuelle Studienlage der Ansicht, dass eine Ernährung voller Obst, Gemüse, Vollkorn, Fisch und mit geringer Menge an Zucker, Salz und ungesunden Fetten die beste Voraussetzung für lange Gesundheit sei.

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