WM in Katar: Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt homosexuelle Fans vor Reise

Wer homosexuell ist, sollte sich gut überlegen, ob er zur WM nach Katar reisen möchte. Denn dort ist Homosexualität gesetzlich verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft. Die Human Rights Watch hat nun sogar eine Warnung ausgesprochen.

Die WM in Katar wird unter anderem im Lusail Stadion ausgetragen werden (Bild: Mohammed Dabbous/Anadolu Agency via Getty Images)
Die WM in Katar wird unter anderem im Lusail Stadion ausgetragen werden (Bild: Mohammed Dabbous/Anadolu Agency via Getty Images)

WM-Gastgeber Katar steht wegen der Missachtung von Menschenrechten stark in der Kritik. In der Vergangenheit wurde der Umgang mit Gastarbeitern bemängelt, ebenso die Haltung Homosexuellen gegenüber. Denn Homosexualität ist in Katar verboten.

Zwar beteuerte der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani, vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York, dass alle Fans während der Fußball-Weltmeisterschaft, die vom 20. November bis 18. Dezember stattfindet, "ohne Diskriminierung" willkommen seien und die katarische Bevölkerung "Fussballfans aus aller Welt mit offenen Armen empfangen" werde. Wenzel Michalski, Deutschland-Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, warnte Homosexuelle dennoch vor einer Reise in das Land.

Der Emir von Qatar Tamim bin Hamad Al Thani (Bild: Mateusz Wlodarczyk/NurPhoto via Getty Images)
Der Emir von Qatar Tamim bin Hamad Al Thani (Bild: Mateusz Wlodarczyk/NurPhoto via Getty Images)

"Eine Garantie gibt es nicht"

Am besten lasse man es, sagte er beim Kongress Bodensee Business Forum der "Schwäbischen Zeitung" in Friedrichshafen. Die Botschaft aus Katar an Gäste und Touristen, sich an Traditionen des Landes zu halten, könne man als "charmant vorgebrachte Warnung" verstehen, sagte Michalski, da schwinge mit: "Wenn ihr das so auslebt wie in Berlin-Schöneberg, dann werden wir uns schon irgendwas ausdenken." Er glaube zwar nicht, dass viel passieren werde, weil die ganze Welt zuschauen werde, sagte Michalski - und dass westliche homosexuelle Fans, sofern sie sich an die Sitten der Katarer hielten, dort Fußball schauen können. "Aber eine Garantie gibt es nicht."

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Auch einheimischen Homosexuellen drohten laut Michalski nach der WM strafrechtliche Maßnahmen. Er sprach von einer totalen Überwachung in dem Land, da es überall in den Stadien Kameras gebe.

Menschenrechtskongress in Frankfurt

Auch der DFB sprach das Thema auf einem eigens ins Leben gerufenen Menschenrechtskongress in Frankfurt an. Dort trafen sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff sowie Politiker*innen, Menschenrechtsaktivist*innen und Fanvertreter. Anwesend war auch der Botschafter Katars in Deutschland, Scheich Abdulla Bin Mohammed bin Saud Al-Thani. Und der wurde von Dario Minden, dem Zweiten Vorsitzenden der Fanorganisation "Unsere Kurve", direkt angegriffen.

"Ich bin ein Mann und ich liebe Männer. Ich habe – seien Sie bitte nicht schockiert – Sex mit anderen Männern", sagte er. "Das ist normal. Also gewöhnen Sie sich bitte daran oder halten Sie sich vom Fußball fern."

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