Inspiriert von Film: Softwareentwickler raubt eigene Firma aus

Wer auch nur eine Kleinigkeit vom Arbeitgeber klaut, kann seinen Job verlieren. Ein Mann aus Seattle muss deswegen nun vor Gericht, denn er hat gleich 300.000 Dollar von seiner Firma gestohlen. Inspiriert hat ihn dazu ein Film mit Jennifer Aniston.

Ein Softwareentwickler hat sein Unternehmen über Monate hinweg ausgeraubt - inspiriert von einem Film (Symbolbild: Getty Images)
Ein Softwareentwickler hat sein Unternehmen über Monate hinweg ausgeraubt - inspiriert von einem Film (Symbolbild: Getty Images)

Das "Office Space Project" heißt das Beweisdokument, das die Polizei von Seattle im US-Bundesstaat Washington auf dem PC von Ermenildo “Ernie” Castro fanden. Benannt ist es nach dem Film "Office Space" (deutscher Titel: "Alles Routine") aus dem Jahr 1999 mit Ron Livingston und Jennifer Aniston in den Hauptrollen. Denn eben dieser Streifen hat Castro zu dem Verbrechen inspiriert, wegen dem er sich nun vor Gericht verantworten muss.

In dem Film schleusen Mitarbeiter einen Computervirus in die Banksoftware ihres Arbeitgebers ein, der bei jeder Überweisung die darauf anfallenden Gebühren und Zinsen auf ein eigenes Konto überweisen soll. Eine ganz ähnliche Betrugsmasche nutzte auch Castro, wie die Seattle Times berichtet: Er manipulierte die Softwarecodes im Warenkorb auf der Händler-Website seines Arbeitgebers, dem E-Commerce-Unternehmen Zulily, sodass bei jedem Verkauf die Versandkosten auf sein eigenes Konto zu überweisen.

Jennifer Aniston und Ron Livingston in der Satire
Jennifer Aniston und Ron Livingston in der Satire "Office Space", in Deutschland als "Alles Routine" veröffentlicht (Bild: ddp images)

Innerhalb von fünf Monaten hat Castro auf diese Weise in 30.000 Transaktionen eingegriffen und insgesamt 260.000 Dollar ergaunert. Indem er die Preise von Zulily manipulierte, brachte er sich zudem in die bequeme Lage, knapp 1300 Artikel für lachhaft geringe Summen von teilweise wenigen Cent kaufen zu können. Auf diese Weise kamen weitere Schäden von rund 40.000 Dollar für die Firma zustande - dieser Warenwert kostete Castro dank seiner Preisanpassungen lediglich 250 Dollar.

Castro sollte den Fehler in der Software selbst aufklären - und klaute noch mehr Geld

Um seinem Betrug die Krone aufzusetzen, wurde Castro sogar Teil der internen Taskforce, die den Fehler finden sollte, nachdem die fehlenden Versandeinnahmen aufgefallen waren. Anstatt Aufklärung zu betreiben, veränderte Castro seinen Code, um seine Spuren zu verwischen - und um den Kunden von da an den doppelten Versand zu berechnen.

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Im Juni flog seine Masche schließlich auf, als das Dokument "Office Space Project" entdeckt wurde. Der örtlichen Polizei erklärte Castro den Zusammenhang mit dem Film, von dem er die Idee bekommen hatte - ein Streifen, der 1999 übrigens an der Kinokasse floppte.

Als Flop stellte sich am Ende auch das davon inspirierte Verbrechen heraus. Castro wird nun angeklagt. Zurückzahlen kann er das Geld indes nicht: Wie der Softwareentwickler der Polizei erklärte, hat er das Geld in Aktien investiert und erwies sich beim Spekulieren offenbar ähnlich erfolglos wie in seiner Verbrecherkarriere: Das Geld sei "komplett weg".

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